Erinnerungen von Herrn Gehrke, Jahrgang 1923

Noch zu Zeiten der "Stadt Haspe" wurde das Ev. Krankenhaus gebaut. Der ursprüngliche Eingang an der Westseite, also von der Kohlenbahn-Hardt aus.

Gleich neben dem Eingang eine kleine Kapelle, Andacht und Ruheraum. Noch im Eingangsbereich befand sich ein Aufzug, der etwa zwei Etagen hoch ging. Ob er noch höher, bis zu den Schwesternwohnungen ging, ist mir nicht bekannt. Der Aufzugschacht war mit schmiedeeisernen Verzierungen umgeben. Im Kellerbereich war die Krankenhausküche und die Heizungs- und Versorgungsräume.

Die Kranken wurden von Diakonischen Schwestern betreut. - Sie machten alles: Zimmer, Betten, Nachtschränkereinigung. Und es wurden von Zeitungen Toiletten-Blättchen abgeschnitten!
Neben dem Eingang war ein leicht ansteigender Weg zum Isolierhaus. Daneben ein kleines Häuschen für die verstorbenen bis zur Bestattung.

Auf dem Gelände des heutigen Krankenhausbau standen auf einer großen Wiese, nach vorne offen, vier sogenannte Liegehallen. Hier konnten Patienten überdacht, aber in frischer Luft, verweilen. Hinter diesen Hallen gab es einen gepflegten Waldpark für Bewegungsgänge.(...) In der Nähe des Hauses waren gärtnerische Anlagen mit Blumen. Daneben Remisen und ein Schweinestall. Im weiteren Verlauf auch ein Kinderheim. Die Anfahrten zum Krankenhaus gingen über die steile Kastanienallee hinauf sowie von der Kohlenbahnstraße von der Westseite. Krankenwagen gab es noch nicht! Das Rote Kreuz -besonders die Fam. Rafflenbeul vom Heubing- besorgte die Transporte mit der Ziehkarre.

Es ging mit Menschenkraft die steile Hardt hinauf – bei Wind und Wetter. Eine geformte Plane deckte den Kranken ab.Die heutige Büddingstraße gab es noch nicht. Das Gelände zwischen Friedhof und Krankenhaus war mit kleinen Bäumen und Büschen bestanden. Teilweise auch mit privaten Gärten. Vom Krankenhaus zum Büdding war ein kleiner Feldweg, der vom Bauer Hedtmann zur Feldbestellung genutzt wurde, aber auch für private Fahrten... Nach dem Krankenhausaufenthalt meiner Mutter, ging es für sie mit einem Kutschwagen der Fa. Most über diesen Feldweg. Am Ende des Weges, zwischen Hedtmanns Bauerngarten und dem Obsthof, hatte der Bauer den Weg mit einem U-Eisen quer über den Weg gesperrt. Hier musste nach Bitten der Bauer mit dem Schlüssel öffnen.

So hat sich alles geändert! Die frühere Liegehallen-Wiese wurde zu Bauland mit Siedlungen und Straßen, Beleuchtungen und Busverkehr. Der alte Krankenhausbau musste weichen und ein modernes, neuzeitliches Haus enstand und es folgte ein Altenpflegeheim.

Foto: Sogenannte Liegehalle im Krankenhausgarten