Endokrine Chirurgie

Unsere Abteilung beschäftigt sich vor allem mit der Schilddrüse und Nebenschilddrüse.

Im Rahmen der Endokrinen Chirurgie beschäftigen wir uns vor allem mit den Krankheitsbildern der Schilddrüse.

Die Schilddrüse ist eine wichtige Schaltstelle in unserem Körper. Sie ist unser Jodspeicher und produziert die wichtigen Hormone T3 und T4. Die schmetterlingsförmige Drüse reguliert nicht nur den Sauerstoffverbrauch, sondern auch den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel und damit den Energiehaushalt des Körpers. Die Schilddrüse beeinflusst die körperliche und geistige Entwicklung und die seelische Verfassung.

Die häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse sind

  • 80-90%: Vergrößerung durch Jodmangel (Endemische Struma)
  • 10-20%: Überfunktion (Hyperthyreose)
  • 0,1-5%: Bösartige Tumore (Struma maligna)
  • Selten: Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis).

Die Geschichte der Schilddrüsen-OP reicht ins 18. Jahrhundert:

  • 1791: Erste OP durch den französischen Chirurgen Desault 1
  • 1876: Emil Theodor Kocher komplette Entfernung
  • 1884: Erste OP in Deutschland durch Dr. Rehn

Die Vergrößerung durch Jodmangel (endemische Struma) ist die häufigste Schilddrüsenerkrankung. Sie kann mit und ohne Knoten vorkommen. Die Größe der Struma teilt man nach Grad ein. Grad I-II macht keine Beschwerden. Bei Grad III sind die Symptome deutlich: Der Patient hat Luftnot durch Verdrängung oder Einengung der Luftröhre und der Speiseröhre. Es kann zu Heiserkeit durch Irritation des Stimmbandnervs führen und die Venen am Hals und Oberkörper  sind sichtbar vergrößert, weil es zur Einflussstauung kommt. 

Die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) basiert oft auf gutartigen Tumoren, sogenannte Adenome. Unter Umständen liegt auch ein Morbus Basedow vor oder die übermäßige Zufuhr von Schilddrüsenhormonen. Auch in der Schwangerschaft kann es zu einer Überfunktion kommen, nach der Geburt wird diese manchmal auch noch von einer Entzündung begleitet. Auch Medikamente oder jodhaltig Kontrastmittel können zu einer vermehrten Hormonausschüttung führen.     

Symptome einer Überfunktion sind:

  • Psychomotorische Unruhe
  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Wärmeintoleranz
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Trotz Heißhunger kommt es zur  Gewichtsabnahme
  • Haarausfall
  • Vorstehende Augen = Exophtalmus 

Von der Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothreose) sind etwa nur 5 % der Patienten betroffen. Bei dieser Erkrankung werden die Prozesse im Körper verlangsamt. Daher kommt es zum Beispiel zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtszunahme, Depressionen, Verstopfung, stumpfem, glanzlosem Haar oder aufgedunsenem Gesicht.

Bösartige Tumore der Schilddrüse sind zum Glück relativ selten und haben oft eine gute Prognose. Pro Jahr gibt es in Deutschland etwa 2.500 Neuerkrankungen. In 60-70% der Fälle liegen sogenannte differenzierte Tumore vor. Diese papillären und follikulären Karzinome haben insgesamt eine gute Prognose. Dagegen haben die sogenannten undifferenzierten Karzinome (15-20%) eine eher schlechtere Prognose.  Weitere bösartige Tumore der Schilddrüsen können das C-Zell Karzinome sein (5-10%, Altersgipfel 40-50 Jahre), die aber nur sporadisch oder familiär auftreten. Bei Krebsleiden in anderen Organen im Körper kann es natürlich auch zu Metastasen in der Schilddrüse kommen. 

Um Erkrankungen der Schilddrüse festzustellen, gibt es viele Möglichkeiten der Diagnostik

  • Ausführliche Erfassung der Krankengeschichte
  • Abtasten der Schilddrüse und Lymphknoten
  • Laborwerte: T3, T4, TSH, Calcium, Antikörper
  • Laborwerte Tumormarker: CEA, Calcitonin, TG
  • Ultraschall: Größe und Gewebsbeschaffenheit der Knotenbildung sowie Elastographie (Prüfung des Knotengewebes bei der Ultraschalluntersuchung durch Drucken des Knotens)
  • Szintigraphie (Tc99)
  • Feinnadelbiopsie
  • Röntgen
  • MRT / CT ohne Kontrastmittel
  • HNO Untersuchung der Stimmbänder 

Operative Therapie der Schilddrüsenerkrankungen

Schilddrüsenerkrankungen können sehr oft mit Medikamenten behandelt werden. Allerdings sollte dann eine regelmäßige Untersuchung sichern, dass die Behandlung erfolgreich ist und sich keine Knoten gebildet haben.

Eine Operation wird nötig bei:

  • bestimmten Schilddrüsenknoten,
  • einer deutlichen Vergrößerung (Grad III),
  • deutlichen Beschwerden (Schluckstörungen , Heiserkeit, Luftnot)
  • einer Überfunktion der Schilddrüse,
  • bei Autoimmunerkrankungen (z.B. Morbus Basedow),
  • bei Verdacht auf bösartige Erkrankungen.

Die operative Therapie bei Schilddrüsenerkrankungen sollte immer individuell auf jeden Patienten abgestimmt werden. Sie richtet sich nach der Größe und Grunderkrankung der Schilddrüse und sollte den Empfehlungen der Fachgesellschaften entsprechen. Natürlich ist auch der Allgemeinzustand des Patienten zu beachten sowie das Nutzen und Risiko bezüglich der Komplikationen und Alternativen abzuwägen.

Für die erfolgreiche Operation der Schilddrüse sind zwei Punkte wesentlich:

  • eine Moderne apparative Ausstattung und
  • fachliche Kompetenz.

Zur Ausstattung gehören im Ev. Krankenhaus Hagen-Haspe das Neuromonitoring zur Überwachung und   Schonung des Stimmbandnervs während der Operation, die Lupenbrille, die Ultraschallschere und die Möglichkeit der Schnellschnittuntersuchung.

Eine erfahrene Operateurin arbeitet schonend und präzise. Der Schnitt ist so groß wie nötig (in der Regel 3-5 cm) und wird so ausgeführt, dass er nach der Heilung möglichst wenig zu sehen ist. Dafür werden auch resorbierbare Nähte verwendet. Der Nacken wird nicht mehr übersteckt, sondern in normaler Schlafposition gelagert.

Nach der OP haben die Patienten sehr wenig Schmerzen. Auch Nackenschmerzen kommen durch moderne Lagerungspositionen nicht mehr vor. Der Krankenhausaufenthalt liegt bei 2-3 Tagen. Nach der OP sollte auch eine Kontrolle der Stimmbänder durch den HNO-Arzt erfolgen. Im Labor werden die Blutwerte von Kalzium und dem Parathormon kontrolliert. 

Operationsmethode

Im Ev. Krankenhaus Haspe werden fast alle Viszeral-chirurgischen Eingriffe mit der Schlüssellochtechnik (laparoskopisch) durchgeführt. Bei der Schilddrüsenchirurgie hat sich diese Methode allerdings nicht bewährt. Die endoskopische Methode ist nur für eine kleine Gruppe von Betroffenen geeignet. Die beste und von Fachgesellschaften empfohlene Methode der Schilddrüsenoperation ist und bleibt der Schnitt.

Es hat sich gezeigt, dass endoskopische Methoden (z.B. Endo CATS, ABBA oder MIVAT) meist keinen Vorteil für den Patienten bringen.

Begriffsdefinition

  • Thyreoidektomie
    = Entfernung der gesamten Schilddrüse
  • Hemithyreodektomie
    = Entfernung eines SD-Lappens
  • Subtotale Resektion
    = Teilentfernung, Belassen eines Restes von 1-4 ml
  • Fast totale Thyreoidektomie
    =Restgewebe weniger als 2 ml
  • Knotenexzision
    = Entfernung eines Knoten mit Saum
  • Enukleation
    =Ausschälen des Knotens 

Die Behandlung nach der Operation ist wichtig. Folgende Untersuchungen sollten unbedingt durchgeführt werden:

  • Kontrolle der Schilddrüsenwerte nach 4-6 Wochen
  • Ultraschallkontrolle bei Restgewebe
  • HNO-Nachkontrolle der Stimmbänder
  • Anpassung der Therapie
  • ggf. Nachsorge bei Schilddrüsen bei Tumoren

 

In einem Selbsttest können Sie Hinweise für eine Schilddrüsenerkrankung feststellen. Liegen mindestens fünf der folgenden Symptome vor, sollten Sie Ihre Schilddrüse untersuchen lassen:

  • Gewichtsveränderung ohne Grund?
  • Müdigkeit/Konzentrationsstörung?
  • Schlafstörungen?
  • Frieren  oder Hitzewallung?
  • Körperliche Unruhe und Rastlosigkeit?
  • Herzrasen ?
  • Kloßgefühl/Enge im Hals?
  • Atemnot und/oder Schluckbeschwerden?
  • Durchfall/Verstopfung?
  • Haarausfall/trockenes ,sprödes Haar?
  • Positive Familienanamnese